Archive for Juni, 2009
Der Palmölkrieg
Donnerstag, Juni 18th, 2009In Kolumbiens Regenwäldern spielt sich eine Tragödie ab. Für den Anbau von Palmölplantagen werden in der Provinz Chocó Zehntausende von Kleinbauern vertrieben und viele massakriert. Christliche Missionare versuchen, die Bedrohten zu schützen, jedoch mit mässigem Erfolg. Unter den Missionaren ist auch der Schweizer Pater Josef Schönenberger. Der Filmemacher Frank Garbely ist mit ihm in den Regenwald gereist und zeigt die Hintergründe dieser Vertreibungstaktik auf.
Pater Josef Schönenberger stammt aus dem Toggenburg. Kolumbien ist längst seine zweite Heimat geworden. 20 Jahre lang war er im Süden des Landes tätig, seit 2006 steht er in der Provinz Chocó im Einsatz. Die meiste Zeit verbringt er im Regenwald. Dort arbeitet er als lebendiges Schutzschild in Dörfern, die von Paramilitärs oder der Guerilla bedroht werden. Das Einzige, was Paramilitärs und Guerillas abschrecken kann, sind neutrale Zeugen und internationale Publizität. Aber dieser Schutz wirkt nicht immer. Beobachter wie Pater Schönenberger leben gefährlich. In den letzten Jahren wurden im Chocó fünf Missionare ermordet.
In dieser Provinz wird der Anbau der Ölpalme besonders radikal und rücksichtslos vorangetrieben. Seit zehn Jahren ist hier ein eigentlicher Plünderungskrieg im Gange. Von der Armee unterstützte Paramilitärs vertreiben gewaltsam die Bevölkerung, ebnen ihre Dörfer ein und eignen sich ihr Land an, das sie an Palmölproduzenten weiterverkaufen. Dabei gehen sie mit unbeschreiblicher Grausamkeit vor: mit Lynchmorden, Massakern, Folter, Entführungen… Und auf den Terror folgen die Bulldozer.
Wo früher Urwald stand, breiten sich heute Ölpalmplantagen aus, die zunehmend von internationalen Unternehmen und Finanzgesellschaften aufgekauft werden. Das Palmöl wird nach Europa und in die USA ausgeführt, dort weiterverarbeitet zu Agrosprit, aber auch zu Produkten der Nahrungsmittelindustrie oder zur Herstellung von Seifen, Kosmetika und Farbstoffen.
Die Provinz Chocó - mit 46′530 Quadratkilomtern etwas grösser als die Schweiz - liegt an der Pazifikküste im Nordwesten Kolumbiens und zählt knapp eine halbe Million Einwohner. 85 Prozent davon sind Schwarze. Der Chocó ist extrem reich an Bodenschätzen und verfügt über eine einmalige Lebensvielfalt: 80 Prozent der Landesfläche sind Regenwald - der zweitgrösste Südamerikas, der punkto Artenvielfalt sogar den des brasilianischen Amazonas übertrifft.
Was sich heute im Chocó abspielt, dürfte sich bereits in absehbarer Zukunft andernorts wiederholen: In der Karibik und im Amazonasgebiet, in Nigeria und Kamerun, in Südostasien. Denn je knapper Erdöl wird, umso mehr und radikaler wird die Produktion von Agroenergie vorangetrieben.
Links
Zahlreiche Nichtregierungsorganisationen setzen sich mit dem Thema auseinander, u.a. ‘Rettet den Regenwald‘ - Der Filmautor Frank Garbely empfiehlt besonders die Webseite der ‘Arbeitsgruppe Schweiz-Kolumbien‘.
Quelle: DOK (Schweizer Fernsehen)
Revolution an der Tanzbar: Isobel Goudie
Sonntag, Juni 14th, 2009Die “Sensational Alex Harvey Band” mit “Isobel Goudie”.
Isobel Gowdie wurde im Jahre 1662 in Schottland der Hexerei angeklagt. Ihr Geständnis, welches angeblich ohne den Einsatz von Folter erreicht wurde, ist eine der detailliertesten Quellen für Beschwörungsformeln wie sie gegen Ende des Zeitalters der Hexenprozesse verwendet wurden.
Sie behauptete, dass sie und andere Mitglieder ihres Hexenzirkels sich bei ihren Treffen in Tiere verwandelten. Nach der Transformation wurden sie angeblich von einer der schottischen Mythologie entstammenden Elfenkönigin in deren Reich empfangen.
Es ist heute unklar ob Gowdie’s Geständnis auf eine Psychose zurückzuführen ist oder ob sie der Hexerei verdächtigt, sich von einer derartigen Aussage ein milderes Urteil versprach. Ihr Geständnis stimmt inhaltlich mit den meisten Protokollen dieser Zeit überein, ist aber sehr viel detaillierter. Es existieren keine Aufzeichnungen über ihre Exekution.
Gowdie’s Geschichte wurde später in einer Vielzahl von kulturellen Werken verarbeitet. Sie taucht als Charakter in mehreren Büchern auf, u. A. in J. W. Brodie-Innes autobiographischem Roman The Devil’s Mistress, in Jane Parkhurst’s Isobel sowie in Night Plague von Graham Masterton. Isobel Gowdie kommt außerdem in Liedern von Creeping Myrtle und Alex Harvey vor; The Confession of Isobel Gowdie ist ein Orchesterwerk des schottischen Komponisten James MacMillan.
Einige von Gowdie’s eigenen Werken wurden in der Anthologie Early Modern Women Poets: 1520-1700 der Oxford University Press verlegt.
Tags: Inquisition, Isobel Goudie, Revolution
Sonntagsphilosophen
Sonntag, Juni 14th, 2009Lew Nikolajewitsch Tolstoi galt als aufmerksamer Zeitgenosse und verarbeitete seine Erfahrungen und Erlebnisse oft in seinen Büchern. Von 1851 an erlebte er in der zaristischen Armee die Kämpfe im Kaukasus. Seine Erfahrungen mit jenen, die den Krieg führen müssen, beeinflussten auch seine Ideale. Seine Haltung führte ihn zur Frage nach beständigen moralischen Werten, die er für sich mit dem Anspruch auf bedingungslose Nächstenliebe und radikale Gewaltlosigkeit beantwortete. Dadurch wurde Tolstoi auch zum überzeugten Vegetarier:
“Fleischessen ist ein Überbleibsel der größten Rohheit. Der Übergang zum Vegetarismus ist die erste und natürlichste Folge der Aufklärung.
Vom Tiermord zum Menschenmord ist es nur ein Schritt und damit auch von der Tierquälerei zur Menschenquälerei.
Solange es Schlachthäuser gibt, wird es auch Schlachtfelder geben.
Wenn Du keinen Menschen töten kannst – gut; kannst Du kein Vieh und keine Vögel töten – noch besser; keine Fische und Insekten – noch besser. Bemüh Dich, soweit wie möglich zu kommen. Grüble nicht, was möglich ist und was nicht. Tu, was Du mit Deinen Kräften zustande bringst. Darauf kommt alles an.”
Tags: sonntagsphilosophen
Revolution ist tanzbar
Freitag, Juni 12th, 2009Fotos vom Raid
Dienstag, Juni 9th, 2009Endlich online, ein paar wenige Fotos des 1. Raid in Luzern.
Weitere Fotos würden wir gerne nehmen. Einfach einen Kommentar hinterlassen, wir melden uns!
Tags: demokratie, foto, fundamentalismus, luzern
Nein zu Villenzonen in Luzern!
Dienstag, Juni 9th, 2009Der ruinöse Kampf der Kantone geht weiter: Nach Obwalden will auch Luzern auf Sonderbauzonen für Reiche setzen.
Unter dem unverfänglichen Stichwort “Wohnschwerpunkte” ermöglicht der neue Richtplan die Schaffung von Villenviertel auf der grünen Wiese. Sonderbauzonen für Reiche bringen neben einer Ungleichbehandlung der Bürgerinnen und Bürger zahlreiche weitere negative Folgen mit sich:
- Sonderbauzonen für Reiche verstärken die Zersiedelung der Landschaft.
- Sie zerstören wertvolles Landwirtschaftsland.
- Sie teilen die Bevölkerung in Vermögende und Übrige.
- Sie verschärfen den Konkurrenzkampf zwischen den Kantonen wie auch zwischen den Gemeinden.
Die Petition verlangt, dass Villenzonen aus dem kantonalen Richtplan 2009 gestrichen werden.
Petition hier und jetzt Online unterschreiben!
Selbst der Spiegel macht die Sonderzonen für Reiche zu einem Thema…
Tags: demokratie, luzern
Leserbrief: Lieber Monsieur Kuhn
Dienstag, Juni 9th, 2009Sehr geehrter Herr Stadtratskandidat René Kuhn.”Die Millionensubventionen und die Geldverluderung im alternativen Kulturbereich muss der Riegel gestellt werden. Die Bürgerinnen und Bürger müssen sich wieder zu jeder Tages- und Nachtzeit sicher und wohl auf unseren Strassen fühlen”, stellen Sie gleich zu Beginn Ihres Wahlkampfprogramms klar. Gratulation Herr Kuhn, Ausgezeichnet. Ein bisschen Sicherheit tut jedem gut. Nachdem der Mensch nämlich das Höhlengleichnis überwunden hat und raus auf die Felder gezogen ist, lassen sich mit dem Thema Sicherheit bestimmt auch ein paar Luzerner überzeugen. Kultiviertes Gartenhagdenken sozusagen. Das kommt an. Zum Schutz der Biotomaten und Hanfplantagen Terrassen im Triebschenquartier. Da war die Haut Politique ja auch aktiv. Sicherheit und Ordnung! Das bringts! Früher fürchteten sich die Menschen noch vor dem Wolf. Heute fürchtet man sich vor Messerschwingenden Albanern. Vor allem auf dem Land. Nur: Da leben wenig Albaner. Wir haben also ein Wahrnehmungproblem. Die Integration der ländlichen Bauern in urbane Gebiete hat versagt.Aber eigentlich sind Sie haben Sie das ja gar nicht nötig. Lächeln Sie in der Zeitung doch schön mit ihrer Ehepartnerin in die Kamera. So ist es richtig. Schön Kosmopolitan. Die klassische Kleinfamilie. Bringt bei Ihrer Klientel zwar bestimmt keine Wählerstimmen, aber ein leicht verständliches Argumentorium darf an einem gewissen Punkt ja auch hinterfragt werden - wenn man schon so unverholen gegen Albaner hetzt. Nieder mit den Ressentiments, da gebe ich Ihnen recht.
Aber Herr Kuhn. Wenn Sie ehrlich sind, so hört Sicherheit und Ordnung ja auch dort auf wo Sie tätig sind! In der Glasi Hergiswil - zum Beispiel. Dort musste man Ihre Arbeitsstelle laut Betriebschef Herr Niederer offensichtlich kündigen, weil sie Rechnungen manipuliert, und die Beträge gleich selbst einkassiert haben. Als Bürgerlicher dürften Sie wissen, wie schwer es einem Arbeitgeber fällt, eine fristlose Kündigungen auszusprechen. Fristlose Kündigungen sind im Schweizer Arbeitsrecht nämlich nur für den Ernstfall vorgesehen. Erlaubt sind solche nur für ganz, ganz schlimme Vergehen. Für Delinquenten mit l a n g e n Fingern. Sie schrieben in einem bürgerlichen Lokalblatt dann auch ehrlich entschuldigt: “Ich habe einen schlimmen Fehler begangen.” Tja, da hat man Ihnen die Betriebskasse wohl so richtig vor der Nase zugeschlagen und die Fingerchen gleich mit tranchiert. Laut jammernd nahmen Sie anschliessend Ihre Prothese von einer gemeinnützigen Luzerner Einrichtung entgegen.
Zurück zu Ihrer Kampfansage: “Ab diesen Sommer darf es kein Pardon mehr geben für Chaoten, Kampfhähne und Drecksäue.” Dieser Satz ist mir in Ihrem Kommuniqué besonders ins Auge gesprungen. Ein solches Vokabular mag ja sehr wohl Resultat einer fragwürdigen Erziehung gelten, aber glauben Sie ja nicht, dass man es im Gremium goutieren wird, wenn Sie auf diese Weise mit Ihren Fingerprothesen auf den Tisch poltern. Das würde selbst unserem Herrn Urs. W. Studer zu viel werden. Und dieser hat ja nun die Wendehalspolitik mit bestem Gewissen ad absurdum geführt.
Übrigens: Sie haben die Freiheit für Frauenhändlern zu arbeiten - jederzeit. Was Sie aber nicht haben, ist die Freiheit für Frauenhändlern zu arbeiten und gleichzeitig Stadtrat zu sein.
Vergessen Sie nicht:
Wir sind hier nicht in Italien!In besonderer Ehre und mit tiefen Respekt über Ihren Mut sich trotz allem zur Wahl zu stellen, schliesse ich mit einem Zitat - Es ist von Ihnen.
“Diebstähle, Raub, Gewalttaten, Drohungen, Vandalismus, bedrohen die Sicherheit des Einzelnen.”
René KuhnJa, da musste ich jetzt auch leise lächeln.
- Der Insider -
Geschrieben von Leser “Der Insider” am 09. Juni 2009
Tags: leserbrief
Offener Film über Polizeigewalt am Menschenrechtsforum
Dienstag, Juni 9th, 2009Medienmitteilung der Unia Jugend Zentralschweiz
Luzern, 7. Juni 2009Polizeieinsatz am Menschenrechtsforum:
“Offener Film” an die Organisatoren, Beschwerden an die Sicherheitsdirektion!
Genau einen Monat nach dem übermässigen Polizeieinsatz gegen den friedlichen Protest gegen die Rede von Nestlé-Chef Brabeck am Menschenrechtsforum, erhebt die Unia Jugend schwere Vorwürfe an die Verantwortlichen: In einem “Offenen Film” fordert die Unia Jugend die IHRF-Organisatoren zu einer Stellungnahme zum unterbunden Protest auf. Gleichzeitig werden mehrere Aufsichtsbeschwerden gegen unbekannte Polizisten auf bei den Sicherheitsdirektionen deponiert.
Am Samstag, den 6. Juni 2009, hat die Unia Jugend in der Stadt Luzern ihren kritischen “Offenen Film”, eine Art visualisierten Offenen Brief, präsentiert. Bewusst wurde der Film an verschieden Standorten mitten in der Stadt in einem „Public Beaming“ der Öffentlichkeit gezeigt. Dazu wurden Flugblätter verteilt (Text siehe unten).
Der Film richtet sich direkt an die Verantwortlichen des Polizeieinsatzes am IHRF, die Gebrüder Kirchschläger (IHRF-Leitung) und die beiden sozialdemokratischen Polizeidirektorinnen Schärli und Stämmer. Der Film ist ab sofort auf Youtube aufrufbar. Er zeigt chronologisch auf, wie das ignorante Verhalten der Organisatoren & Behörden zu einem beschämenden Einsatz der Staatsrepression gegen friedlichen Protest geführt hat.
Heute, Montag, wird deshalb eine Delegation der Unia Jugend den Offenen Film den Herren Kirchschläger übergeben. Ebenfalls wird der Film den Sicherheitsdirektorinnen Schärli und Stämmer ausgeliefert. Bei dieser Gelegenheit werden Dienstaufsichtsbeschwerden unter anderem wegen Körperverletzung, Beschimpfung und diversen Grundrechtsverletzungen gegen unbekannte Polizisten deponiert. Ein inhaftiertes Mitglied der Unia Jugend, das in in Polizeihaft systematisch “fertiggemacht” und am Kopf verletzt wurde, wird Strafanzeige erstatten.
Tags: luzern, menschenrechte, nestlé
Berichterstattung vom Raid in Luzern
Montag, Juni 8th, 2009Am Samstag, 06.06.09, haben ca. 15 Leute von Anonymous friedlich gegen den von der Stadt bewilligten Scientology-Stand von CCHR demonstriert. Das Feedback der Passanten war bestärkend. Es war erschreckend aus erster Hand zu erfahren, wie viele Leute selbst Opfer von Scientology geworden sind. Sei es durch das sich überreden lassen zu einem Intelligenz- oder Psychotest oder durch Familienmitglieder die der Sekte verfallen sind. Obwohl die Bevölkerung Scientology hauptsächlich negativ gegenübersteht, waren viele von den totalitären Inhalten dieser Psychogruppe - zu deren Zielen auch die “Entfernung” von Scientologykritischen Personen, Behinderten und Psychiatern gehört - überrascht. Unter diesen Aspekten scheint es auch äusserst fragwürdig, wieso dem Wirtschaftsunternehmen Scientology überhaupt eine behördliche Bewilligung für solche Stände erteilt wird. Einer Organisation die erklärtermassen in antidemokratischer Weise gegen die Schweizer Bundesverfassung verstösst und mittels überteuerter “Selbstverwirklichungskurse” labile Persönlichkeiten in die Überschuldung treibt. Einer Organisation die mit einem Schneeballsystem arbeitet und gegen die in Frankreich derzeit ein Verfahren wegen bandenmässigen Betruges läuft. Einer Organisation die in Griechenland schon im Jahre 1993 zum Staatsfeind erklärt wurde und die in Deutschland vom Verfassungsschutz beobachtet wird.
Wir wurden am Samstag teilweise auf unsere Maskierung angesprochen. Anonymous maskiert sich zum eigenen Schutz aufgrund Scientologys “Fair Game” Richtlinie, welche suppressive Persons (in Scienologys verklausulierter Sprache: Scientologykritiker) zum Freiwild für üble Nachrede, Drohbriefe und persönliche Diffamierung erklärt. Anonymous-Kundgebungen sind stets friedliche Informationsveranstaltungen für die Bevölkerung, bei denen auch Spass und Humor nicht zuletzt kommen sollen.
Weitere Fotos vom Raid folgen…
Tags: demokratie, fundamentalismus, luzern












