Angeklagt wegen Folter
By gonorrea.
Elf amerikanische Soldaten wurden bisher wegen dem Folterskandal im irakischen Gefängnis Abu Ghraib verurteilt. Die bekanntesten Beteiligten an den Folterungen sind der Gefreite Charles Graner und seine damalige Freundin Lynndie England. Bis zum heutigen Tag wurden im Zusammenhang mit dem Gefängnis-Skandal in den USA allerdings nur Soldaten unterer Ränge verurteilt, nicht jedoch Angehörige höherer Dienstgrade.
Mit Oberstleutnant Steven Jordan steht nun der einzige angeklagte Offizier vor dem Militärgericht. Die Liste der Anklage ist lang gegen den früheren Direktor der Verhörabteilung in Abu Ghraib. Generalmajor George Fay kam bei seinen Ermittlungen zu dem Schluss, dass Jordan im November 2003 die Anwendung von Gewalt bei einer Suche nach versteckten Waffen in Abu Ghraib stillschweigend geduldet und damit die Voraussetzungen für die anschliessende Misshandlung von Gefangenen geschaffen habe. Jordan selber hat sich in den sechs Punkten der Anklage für unschuldig erklärt.
Zwei der sechs Anklagepunkte liess das Gericht in Fort Meade im US-Staat Maryland nun fallen, nachdem der Ermittler Fay entgegen einer früheren Aussage eingeräumt hatte, Jordan bei der Vernehmung nicht auf seine Rechte hingewiesen zu haben. Er habe sich bei einer Anhörung am 12. März versprochen, erklärte Fay jetzt. Bei den Anklagepunkten handelt es sich um den Vorwurf gegen Jordan, die Ermittler belogen zu haben sowie um Behinderung der Justiz. Damit drohen Oberstleutnant Jordan statt mehr als 16 Jahre Haft lediglich noch maximal achteinhalb Jahre – weniger als Graner erhalten hat…
“Die Kleinen hängt man, die Grossen lässt man laufen” – scheint nach wie vor das Motto der Militärjustiz zu sein. Auch die Frage, ob Ministerien oder gar die US-Regierung die brutalen Verhörmethoden gebilligt hatten, dürfte in diesem Prozess eher nicht beantwortet werden…
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