Polizei wirft Aktion Freiraum Gewalt vor
By gonorrea.Im beschaulichen Städtchen Luzern entsteht gerade eine neue Polemik um eine Aktion für mehr Freiraum.
Um ein Fest zu feiern besetzten in der Nacht von Samstag auf Sonntag kurzerhand rund 200 Personen das leerstehende Gebäude der ehemaligen Unions-Druckerei. Am Fest selber waren bis zu 800 Personen anzutreffen. Das Gebäude wurde nach der Beendigung der Feierlichkeiten wieder verlassen.
Die Aktion Freiraum veröffentlichte dazu eine Medienmitteilung:
Medienmitteilung der Aktion Freiraum zur Sauvage:
Freiräume geentert- Festival in UD-Gebäude!
An diesem Samstagabend hat die Aktion Freiraum wieder einmal bewiesen, welche Kraft in ihr steckt. Wegen der Verzögerungspolitik der Stadtregierung sah sich die Aktion Freiraum gezwungen, neuen Freiraum zu erschaffen. In der ehemaligen Unions-Druckerei an der Kellerstrasse 4 fand ein Festival der Aktion Freiraum statt. Das Bedürfnis nach mehr kulturellen Freiräumen wurde manifestiert. 800-1000 Leute trafen sich zu dieser Veranstaltung und zeigten, dass dieses Anliegen einem weiten Teil der Stadtbevölkerung entspricht. Wir lassen uns nicht länger ignorieren, wir werden weiter kämpfen. Denn wir repräsentieren nicht zukünftige, potentielle, reiche Steuerzahler, sondern einen grossen Teil der jetzigen Bewohner von Luzern.
Die Polizei wirft den Aktivisten jedoch ein massives Gewaltpotential vor. Gegenüber der Luzerner Zeitung sagte Polizeikommandant Ernst Röthlisberger, die vor Ort anwesenden Polizisten mussten vor gewalttätigen Besetzern flüchten:
Gemäss Polizeikommandant Ernst Röthlisberger wurde die Polizei am Samstag gegen 22 Uhr informiert, dass mehrere Personen die zugemauerte Türe der Druckerei eingeschlagen hätten.
Zu diesem Zeitpunkt hätte eine Besetzung durch die Polizei noch verhindert werden können. Später seien «zirka 200 erheblich betrunkene, aggressive und sichtlich gewaltbereite Linksautonome gekommen und haben sich gewaltsam Zutritt zur Druckerei verschafft.»
«Sie waren mit Eisenstangen bewaffnet»
Der Pikettoffizier habe entschieden, die wenigen Polizisten vor Ort abzuziehen und «das Treiben der Autonomen zu überwachen». Röthlisberger: «Sie waren teilweise mit Eisenstangen bewaffnet und offensichtlich bereit, diese gegen die Polizei einzusetzen. Wir wollten keine Schwerverletzten riskieren.»
Röthlisberger betont, dass die Polizei «einige Personen erkannt hat. Jetzt laufen Ermittlungen.» Die Besitzerin des leer stehenden Hauses habe Strafklage gestellt. Laut Polizei gabs Sachschaden von rund 1000 bis 2000 Franken.
Quelle: Zisch
Die Aktion Freiraum stellt die Situation völlig anders dar als die Polizei:
«Die Angaben der Polizei entsprechen nicht der Wahrheit. Es war die ganze Nacht friedlich und es war nie das Ziel, irgendjemanden anzugreifen», sagt Sandro Hofstetter, Sprecher der Aktion Freiraum. «Eisenstangen hat es nicht gegeben. Alles war wirklich friedlich.»
Gemäss einer Medienmitteilung der Aktion waren nicht 200 Personen vor Ort, sondern 800. «Die Polizei hat nur die Personen gesehen, die am Anfang gekommen sind», sagt Hofstetter dazu. Und weiter: «Es geht uns darum zu zeigen, dass es solche Kulturräume braucht.» In der Medienmitteilung heisst es: «Wir lassen uns nicht länger ignorieren, wir werden weiter kämpfen.»
Quelle: Zisch
Zu den Vorgängen von Samstagabend schrieb die Aktion Freiraum in der Zwischenzeit ein weiteres Communiqué. Darin wird auch für heute Abend die Veröffentlichung eines Videos angekündigt, welche die Vorwürfe der Polizei entkräften wird:
Liebe Medienschaffende
Um unsere Aktion vom Samstag ist einige Polemik enstanden. Ernst Röthlisberger spricht gar von “erheblich betrunkenen, agressiven und sichtlich gewaltbereiten Linksautonomen”, die mit Eisenstangen bewaffnet auf die Unionsdruckerei losmarschiert sei.
Das entspricht nicht der Realität. Die ganze Aktion verlief komplett friedlich, wie das die Aktion Freiraum bisher auch immer war.Die Vorwürfe der Polizei lassen sich leicht widerlegen. Wir werden voraussichtlich heute um 18.00 Uhr ein Video veröffentlichen, auf dem zu sehen ist, wie die ersten 200 Leute in die Unionsdruckerei gehen.
Es war eine breite Aktion von KünstlerInnen, MusikerInnen, Kulturschaffenden, VeranstalterInnen und AktivistInnen verschiedenster Couleur. Am Höhepunkt des Festes waren über 800 Leute in der Unionsdruckerei. Die Gesamtzahl der BesucherInnen an diesem Abend war noch um einiges höher. Diese enorme Zahl zeigt wie akut das Luzerner Raumproblem ist. Ein Problem, welches der Südpol nicht lösen wird, sondern für welches eine andere Lösung gefunden werden muss. Wir lassen uns nicht länger von der Stadt hinhalten und ignorieren. Die Art mit der uns aber die Stadtbehörde zu delegitimieren versucht ist schockierend. Offenbar ist der Stadt Luzern jedes Mittel recht um uns in die Ecke einer militante Splittergruppe zu stellen. Das sind wir nicht, wie wir auch am Samstag bewiesen haben.
Das angesprochene Video wird heute abend ebenfalls - sofern überhaupt möglich - auf gonorrea.ch veröffentlicht.





Montag, April 14th 2008 at 15:16
Ich war wohl unter den ersten 200 Personen. Eisenstangen, gewaltbereite Linksautonome oder “erheblich betrunkene” Personen habe ich keine gesehen.