Vom Sweatshop zur Kooperative
By gonorrea.Ein Beitrag von Radio Netherlands und ZAudio:
Eine Zusammenfassung auf Deutsch gibt’s bei Zmag:
Einige Leute wird es vielleicht verwundern, dass die Modeindustrie in Buenos Aires von Sklavenarbeit abhängig ist. Aber selbst nach der wundersamen Belebung der argentinischen Wirtschaft hält die Praxis des Missbrauchs von Immigranten ohne Dokumente als Sklavenarbeiter in Sweatshops weiter an. Laut Schätzungen gibt es in Buenos Aires 400 geheime Fabriken. Zehntausende Bolivianer ohne Papiere arbeiten in diesen ungesicherten Anlagen.
Krankheiten wie Tuberkulose und andere Lungenkomplikationen sind normal - angesichts der inhumanen Arbeitsbedingungen und der ständigen Staub- und Fiberexposition der Arbeiter/innen. Viele leiden an Rücken- oder Bandscheibenproblemen, weil sie zwischen 12 und 16 Stunden an der Nähmaschine sitzen.
Naomi Hernández ist eine von ihnen. Sie trat der Gewerkschaft der Näherinnen (”UTC”) bei. In dieser Organisation haben sich Textilarbeiter ohne Papiere zusammengeschlossen, die aus Sweatshops flohen.
“Zwei Jahre arbeitete und schlief ich in einem Raum, der drei Quadratmeter groß war - zusammen mit meinen beiden Kindern und drei Nähmaschinen, die mir mein Boss gestellt hat. Zweimal am Tag brachten sie uns eine Mahlzeit. Zum Frühstück gab es eine Tasse Tee mit einem Stück Brot. Zum Mittagessen gab es eine Portion Reis, eine Kartoffel und ein Ei. Wir mussten die beiden Mahlzeiten mit unseren Kindern teilen. Mein Boss sagte, meine Kinder hätten kein Anrecht auf Lebensmittelrationen, da sie keine Arbeiter seien und nichts zur Produktion beitrügen”.
Als Hernández die inhumanen Bedingungen an ihrem Arbeitsplatz meldete, wurde sie gefeuert.
Im Kampf gegen Sweatshops
Wer würde denken, dass sich gemeinsame Sonntagstreffen zu einer Bewegung gegen Sweatshops entwickeln können? Für viele Bolivianer, die als Immigranten in Argentinien leben, war es eine Frage des Überlebens. Es begann mit sonntäglichen Familienausflügen und entwickelte sich zu einem Ort der Organisierung für Immigranten ohne Papiere, die zwangsweise und unter inhumanen Bedingungen in geheimen Textilfabriken arbeiteten.
Mitten in Argentiniens Wirtschaftskrise 2001 breiteten sich diese lokalen Versammlungen in ganz Buenos Aires aus. Eine Versammlung tat sich besonders hervor im Kampf gegen Sklaven-Bedingungen von Immigranten ohne Papiere: die ‘Alameda-Versammlung’. Sie befindet sich im Arbeiterviertel Parque Avelleneda. Hier treffen sich Arbeiter/innen aus Bolivien immer sonntags.
Kooperation und der Weg in die Zukunft
Die Alameda-Versammlung ist ein Ort emsiger Betriebsamkeit. Neben einer Suppenküche - die gehaltvolle Mahlzeiten für Dutzende Männer, Frauen und Kinder anbietet -, existiert unter ihrem Dach die ‘Alameda Workers Cooperative’, die im Jahre 2006 von Arbeitern gegründet wurde, die aus ihren Sweatshops entkommen waren.
Alle Frauen und Männer, die in der Kooperative arbeiten, verdienen denselben Lohn. Sie arbeiten maximal 8 Stunden täglich. Entscheidungen werden kollektiv in Versammlungen getroffen. Für Olga Cruz bedeutet Arbeit in einer Kooperative, dass es keinen Boss und keine Vorarbeiter gibt, die den Profit nehmen und die Arbeiter mit Pennies abspeisen.
“Die Arbeiter sind diejenigen mit dem größten Wissen und der meisten Arbeit. Sie müssen nähen und den Kleidern ihre Form geben. Die Fabrikanten und Vorarbeiter der großen Marken kennen nur das Design. Wie genäht wird, wissen sie nicht - das ist der harte Teil.” Jetzt entwirft die Kooperative ihr eigenes Design. Auf ihren T-Shirts und Sweatshirts steht in Bild und Schrift: “eine Welt ohne Sklaven - 8 Arbeitsstunden”. Mithilfe eines lokalen Modedesigners hat die Kooperative ihre ureigenste Marke entwickelt: Mundo Alameda. Die (Gewerkschaft) UTC schlägt vor, alle geheimen Textilfabriken dicht zu machen und in Arbeiterverwaltung zu überführen, so dass die Arbeiter/innen sie als Kooperativen leiten. Ultimativ sollen sie ein kooperatives Netzwerk bilden, dem es möglich ist, den “Mittelmann” und das gesamte System der Teilstückarbeit zu umgehen”.
Orginalartikel: From Sweat shop to Co-op
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Tags: argentinien, bolivien, gewerkschaft, kampf der arbeiter, wirtschaft





Dienstag, Mai 27th 2008 at 16:43
CSR muss sich stärker durch setzen. social responsible investment könnte firmen zum guten verhalten zwingen.
Mittwoch, Mai 28th 2008 at 11:45
Naja. Die Kritik am CSR-Konzept entzündet sich hauptsächlich daran, dass CSR gerade von internationalen Unternehmen als Instrument zum kaschieren egoistischer Motive (Greenwashing) missbraucht wird. Greenpeace publizierte dazu einen Corporate Crime Report, der Versuche auflistet, unternehmerisches Fehlverhalten (z.B. Coca Cola, McDonalds, Chemie-Industrie, Autoindustrie) durch Corporate Social Responsibility-Massnahmen zu übertünchen (finde gerade das Dokument im Netz nicht.
Zum Thema CSR und Greenwashing siehe u.a. glocalist.com oder evb.ch