Securitas spionierte für Nestlé
By gonorrea.
Das Schweizer Fernsehsenders TSR berichtet ungeheuerliches: Die schweizerische Sicherheitsfirma “Securitas” soll im Auftrag von Lebensmittelhersteller Nestlé Globalisierungskritiker überwacht haben.
Ziel der Überwachung war eine Arbeitsgruppe von Attac-Waadt, welche zu damaliger Zeit am kritischen Buch “Nestlé, Anatomie eines Weltkonzerns” arbeitete. Zu diesem Zweck wurde eine als Globalisierungskritikerin getarnte Agentin der Securitas in die Gruppe eingeschleust.
Die Agentin soll sich unter falschem Namen – sie nannte sich Sara Meylan - Zutritt zu der Arbeitsgruppe verschafft haben und dadurch an interne Informationen und Quellen gelangt sein. Sie beteiligte sich ein Jahr lang an den Recherche-Treffen der sieben Autoren, kam in deren Privatwohnungen, las entstehende Buchkapitel, erfuhr Namen von Informanten - und verriet alles an den Konzern.
Wiedereinmal Nestlé also, der berüchtigte Nahrungsmittelriese, der mit seinen harten Geschäftspraktiken seit Jahrzehnten für Schlagzeilen sorgt. Oft schon war der Name des Weltkonzerns mit Skandalen verbunden.
Wie bekannt wurde, hatte Nestlé zusammen mit weiteren Grosskonzernen die Sicherheitsfirma Securitas beauftragt, rund um den G-8-Gipfel in Evian im Juni 2003 für Ordnung zu sorgen. Die Securitas-Abteilung “Investigation Services”, zuständig für Observationen, übernahm die Aufgabe gerne.
“Der G-8-Gipfel war außergewöhnlich und wir haben ausnahmsweise außergewöhnliche Mittel angewandt”
Securitas-Generalsekretär Reto Casutt gegenüber dem Sender TSR.
Weiter habe man mit der Einschleusung von Agenten einen “Informationsvorsprung” bekommen wollen, welche Veranstaltungen und Aktionen die Globalisierungskritiker planten. Erkenntnisse über Straftaten habe man an die Polizei weitergeleitet. Dazu seien Sicherheitsfirmen in der Schweiz verpflichtet.
Doch die Verantwortlichen der Securitas können bislang nicht erklären, warum die Überwachung der Attac-Arbeitsgruppe dann offenbar erst nach dem G-8-Gipfel begann. “Wir haben erst im Herbst 2003 beschlossen, ein Buch zu schreiben”, sagt Co-Autorin Beatrice Schmid. Die Agentin sei erst dann zu der kleinen Gruppe des Buchprojekts dazugestossen. Wenn es stimme, dass die Einschleusung im Rahmen des G-8-Gipfels erfolgte, “verstehen wir nicht, warum die Überwachung ein Jahr lang fortgesetzt wurde”, so Attac-Generalsekretärin Proton.
Der Konzern will von all dem nichts gewusst haben. Mit Hilfe von Securitas habe man sich nur gegen Protestaktionen beim G-8-Gipfel schützen wollen, heisst es offiziell. Alles sei legal abgelaufen.
Das Autorenteam reichte deswegen Strafanzeige wegen Verletzung der Geheim- und Privatsphäre und des Datenschutzgesetzes ein. Sein Anwalt kündigte zudem zivilrechtliche Schritte an. Ein Gericht solle abklären, ob Securitas und Nestlé auf illegalem Weg Informationen gesammelt hätten und die Firmen zur Herausgabe allfälliger Fichen zwingen.
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Tags: g8, nestlé, schweiz, wirtschaft





Freitag, Juni 20th 2008 at 00:06
Ich bin von auswärts, sorry. Aber was sind: “allfällige Fichen”
Freitag, Juni 20th 2008 at 09:28
Fiche ist die französische Bezeichnung für Karteikarte…
In der Schweiz seit Ende der 80er ein beliebtes Wort. Guckst du hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Fichenskandal
Freitag, Juni 20th 2008 at 15:16
Nestlé-Sicherheitschef zur präventiven Gefahrenabwehr fürs Image des Konzerns:
Freitag, Juni 20th 2008 at 15:16
http://www.woz.ch/artikel/2008/nr25/schweiz/16493.html
Freitag, Juni 20th 2008 at 20:49
http://www.gerardo.li/archives/152