Betancourt ist frei

By gonorrea.  
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Die kolumbianische Armee hat die ehemalige Präsidentschaftskandidatin Betancourt und 14 weitere Geiseln aus den Händen der FARC-Rebellen befreit. Die Aktion wurde scheinbar mehrere Monate vorbereitet.

Sechs Jahre lang war Ingrid Betancourt eine Geisel der “Revolutionären Streitkräften Kolumbiens” (FARC). Betancourt und ihre Wahlkampfleiterin Clara Rojas wurden von linksgerichteten Farc-Rebellen am 23. Februar 2002 entführt, als sie sich in die Nähe des von den Rebellen kontrollierten Gebietes begaben. Ingrid Betancourt und ihre Begleiter waren in einem Geländewagen ohne Begleitschutz unterwegs. Wenige Kilometer vor der Stadt Villa San Vicente de Caguán stiessen sie auf eine Strassensperre der Guerilleros. Die beiden Frauen wurden auf ein Fahrzeug geladen und in den Dschungel verschleppt.

Nun führte eine von langer Hand vorbereitete Aktion zu ihrer Befreiung. Gemäss Angaben des kolumbianischen Verteidigungsminister Juan Manuel Santos hätten kolumbianische Armeeangehörige die Farc infiltriert. Da die Geiseln zunächst in drei Gruppen aufgeteilt worden seien, hätten die Undercover-Agenten zunächst mit einem gefälschten Befehl von Farc-Chef Alfonso Cano bewirkt, dass die Geiseln wieder zusammengeführt wurden.

Die eingeschleusten Agenten machten den Farc-Rebellen demnach zudem glaubhaft, Cano habe den Transport der Geiseln in den Süden des Landes angeordnet. Daraufhin wurden die Gefangenen laut Santos in einen Helikopter verfrachtet, der in Wirklichkeit der Armee gehörte und in dem sich kolumbianische Geheimdienstagenten befanden.

Auch Betancourt äusserte sich zum Verlauf der Befreiungsaktion: Sie und die 14 weiteren befreiten Geiseln hätten nicht gewusst, dass es sich bei der Besatzung des Helikopters um in die Rebellen- Gruppe eingeschleuste Agenten der kolumbianischen Armee gehandelt habe.

Die Soldaten seien wie die Guerillas gekleidet gewesen und hätten wie sie gesprochen. Erst als der Helikopter in der Luft war, habe einer der Soldaten gesagt: “Wir sind von der kolumbianischen Armee. Sie sind frei!”

Ingrid Betancourt ist offensichtlich bei vergleichsweise guter Gesundheit. In einem Ende November veröffentlichten Video war sie stark abgemagert auf einer Holzbank im Urwald zu sehen gewesen. Anfang Jahr hatte es Berichte gegeben, wonach sie schwer krank sei.

Zu den weiteren befreiten Gefangenen gehörten auch die drei US-Söldner Marc Gonsalves, Thomas Howes und Keith Stansell, die im Auftrag der US-Regierung am Antidrogenkrieg Kolumbiens beteiligt waren. Sie befanden sich seit 2003 in der Gewalt der Farc. Sie flogen gestern aus Bogotá weiter nach Texas.

Die Befreiungsaktion wurde von zahlreichen Staatschefs begrüsst. “Die Zeiten des bewaffneten Kampfes sind vorbei”, sagte Boliviens Präsident Evo Morales in La Paz, die Völker Lateinamerikas müssten auf demokratischem Wege befreit werden. Hugo Chávez habe seinem Kollegen Álvaro Uribe telefonisch gratuliert, hiess es im venezolanischen Fernsehen.

Die Befreiung stellt klar einen Triumph für den kolumbianischen Präsidenten Álvaro Uribe dar. Der Mann der harten Hand hat es geschafft, die Kolumbianer hinter sich zu scharen. Mit der spektakulären Befreiungsaktion gehen die politischen Skandale um angebliche Stimmenkäufe bei der Verfassungsänderung, die ihm seine Wiederwahl ermöglichte, wohl erst einmal vergessen. Auch die Verbindungen zu den rechtsextremen Paramilitärs werden für den Moment aus den Medien verschwinden. Dennoch befindet sich Uribe am Zenit des Erfolges. Früher oder später werden die kriminellen Verfehlungen den Präsidenten einholen. Und wer weiss, vielleicht beerbt ihn dann Betancourt. Sie machte gestern nach ihrer Befreiung schon mal deutlich, dass sie noch immer Ambitionen auf die kolumbianische Präsidentschaft hat.

Unabhängig von der Befreiung Betancourts ist auch der Norweger Olf Anshuus Nino freigekommen. Das Aussenministerium in Oslo teilte mit, die FARC habe Nino freigelassen, nannte aber keine Einzelheiten. “Es gibt keinen Zusammenhang mit der Befreiung von Betancourt. Das ist reiner Zufall”, sagte die zuständige Ministeriumssprecherin Kristin Melsom.

Nino arbeitete als Mathematikdozent an einer Universität in Kolumbien. Er war im Januar zusammen mit fünf Kolumbianern an einem Strand von den Revolutionären Streitkräften Kolumbiens (FARC) entführt worden. Seine dabei ebenfalls in die Gewalt der Terroristen geratene Ehefrau Ana Maria Aldana Serrano kam bereits im März zusammen mit drei anderen Geiseln frei.

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5 comments to “Betancourt ist frei”

  1. Comment by Axel:

    Man könnte in einer endlosen Polemik über den ganzen “Fall” Betancourt diskutieren. Über den Terrorismus in Bolivien, über die Drogenfinanzierung der FARC usw…

    Heute herrscht bei mir aber die Freude, dass diese äusserst sympathische und sehr couragierte Frau, nach 6 grausamen Jahren der Geiselhaft endlich frei ist.

  2. Comment by redblog:

    ganz klar muss man diese befreiungsaktion als einen triumpf uribes ansehen und der von ihm präferierten methode der militärischen befreiung. darüber, dass keine geisel bei der aktion zu schaden kam, wird uribe aufgeatmet haben. sollte es zu den vorgezogenen neuwahlen kommen, die uribe derzeit plant, hätte eine kandidatin betancour deutlich bessere chancen als im präsidentschaftswahlkampf 2002. man darf dabei jedoch nicht den repressionsapperat übersehen, den uribe in den letzten jahren aufgebaut hat. in weiten teilen kolumbiens sind paramilitärs immer noch präsent und sie üben druck auf die bevölkerung aus.
    bei den nächsten wahlen dürften vor allem zwei dinge ausschlaggebend sein:
    - tritt uribe nochmals an
    - kann sich die politische linke des landes auf einen gemeinsamen kandidaten bzw. eine gemeinsame kandidatin (betancourt?) einigen.

    die letzten parlamentswahlen haben gezeigt, dass ihre wahlerbenisse deutlich ausbauen konnte.

  3. Comment by jo ta ke:

    Manche Menschen sind halt doch gleicher als die anderen. Je nachdem welchen Pass der Mensch besitzt.

    Die ganze Welt hat 6 Jahre mit I.B. mitgelitten, und die ganze Welt atmet jetzt auf. Was ein französischer Pass doch alles bewirkt.

    Fast niemand kennt auch nur den Namen einer einzelnen kolumbianschen Geisel. Geschweige denn, sie interessieren sich für die zehntausenden Toten Bauern, welche vornehmlich von Paramilitärs umgebracht wurden.

    Es interessiert sich auch niemand für die Drogenbarone und Paramilitär-Führer, welche unter Alvaro Uribe Schonung bis Begnadigung erhalten. Es interessiert sich niemand für die Bestechung von Parlamentariern duch Alvaro Uribe. Es interessiert sich niemand für die toten Gewerkschafter, die toten Basisaktivisten, die toten Jugendlichen. Auch damals interessierte sich niemand für die toten der UP…

    …Hauptsache die Französin ist frei. Das Leben ist gerecht. Lang lebe die Heuchelei!

  4. Comment by StattWeb:

    Was ist getürkt an der Befreiung von Ingrid Betancourt?

    Man kann es allen Befreiten gönnen, die seit Jahren durch den Urwald geschleppt werden. Nur dass die James-Bond-Version, die jetzt vom Präsidenten Uribe verbreitet und von verschiedenen Medien aufgeschlürft wird, ein paar kleine Schwierigkeiten aufweist.

    Zunächst: Warum wird Sarkozy so ergriffen gedankt, wenn doch ein paar clevere Jungs des kolumbianischen Geheimdienstes die Sache gedeichselt haben? Er konnte dann doch gar nichts dazu oder dagegen tun.

    Der SPIEGEL benutzt die Geschichte, um vor allem den “Verhandlern” eins in Genick zu geben, allen voran Chavez.

    LIBERATION gibt immerhin zu, dass einer der langjährigen Guerilleros, der die Gefangenen bewachte, mit in den Hubschrauber stieg. Also muss es doch wohl einen Deal gegeben haben?

    Laut SPIEGEL soll der gefundene Laptop eines Kommandanten den Ausschlag gegeben haben. Von einem solchen war freilich schon vor Wochen im Bundestag die Rede, und er sollte schon damals allerlei beweisen. Mit diesem- so immer SPIEGEL- und den darauf gefundenen Daten hätte man den Rest der Guerilla durch Scheinbotschaften verrückt gemacht, so dass diese- nachdem drei aus der Führungsmannschaft abgeknallt worden waren- vollkommen desorientiert gewesen wären. Von daher dann die Möglichkeit, Agenten einzuschleusen, die sich als perfekte Guerilleros ausgeben hätten können, einen Armee-Hubschrauber als privaten und die Rück-Entführung managen.

    Wenn das alles stimmen sollte, muss Guerilla nicht mehr dasselbe bedeuten, was sie bisher bedeutete. Bisher stellte man sich Guerilla-Einheiten gerade als solche vor, die vor Ort selbst Entscheidungen fällen konnten und nicht von eingehenden Befehlen eines Oberkommandos abhingen. Das muss auch die letzten zehn Jahre noch so geklappt haben. Offenbar, glaubt man Uribe, ist das alles nicht mehr so.

    Wie es wirklich war, wissen wir nicht. Immerhin eine Vermutung sei riskiert: Uribe hatte heilige Eide geschworen, dass er, der Unbestechliche, mit keiner FARQ je verhandeln werde. Andererseits hatte Sarkozy offenbar so viel Druck ausgeübt, dass etwas geschehen musste. Da kein offener Deal zugestanden werden konnte, musste eine militärische Entführung fingiert werden- dafür der ganzen FARQ oder einer abgesprungenen Fraktion Geld und andere Zugeständnisse in Aussicht gestellt. Dieses Geld hätte dann von Sarkozy kommen können. Uribe konnte reine Hände vorzeigen.

    Ein winziges Detail spricht für diese Version: im Morgenmagazin bot Sarkozy solchen FARQ-Leuten, die “der Gewalt Adieu gesagt hätten” Asyl an. Immerhin etwas. Hauptsache, man kommt an den Erschießungspeltons Uribes erst mal vorbei.

    Mit der James-Bond- Legende hätte Uribe sein Gesicht gewahrt. Dem Spiegel zufolge gibt es keinerlei Streit mehr zwischen der zur Dankbarkeit verpflichteten Betancourt und dem Militär-Machthaber, dem mit gutem Grund nachgesagt wird, dass er außer seinen Draufgängern in der normalen Armee auch noch enge Kontakte zu freischaffenden Gruppen pflegt, die Unangenehme und Widerspenstige mundtot machen- oder gleich tot.

    Schließlich die USA: Selbstlos bekämpfen sie in Kolumbien den Drogenschmuggel- und Anbau. Unter den Befreiten befinden sich auch ein paar ihrer unerschrockenen Geheimdienstagenten. Man hört von der vierten Flotte der USA; die Südamerikas Küste neu bestreichen sollen.

    Chavez aus Venezuela steht blamiert da. Sollte nicht alles dazu beitragen, den Links-Trend im ganzen Südamerika zu stoppen und den Beweis zu führen, dass nur militärische Brutalität, in diesem Fall:Stärke genannt, und Treue zu den USA- Festhalten an den Werten des Westens- zu Frieden und Wohlstand führen? Ein klein wenig Verschwörungstheorie zum vierten Juli muss doch drin sein.

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