Der Zorn der christlichen Fundis gegen die Juden

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Von Hugo Stamm

Antijudaismus und Antizionismus haben in den christlichen Kirchen eine lange Tradition. Es ist deshalb kein Zufall, dass Papst Benedikt XVI. den Holocaustleugner und Bischof Richard Williamson von der sektenhaften Lefebvre-Priesterbruderschaft rehabilitiert hat.

Papst Benedikt XVI. ist in wenigen Tagen von der umjubelten Pop-Ikone zum reaktionären Fundi mutiert. Mit der Rehabilitierung des Holocaustleugners und Antisemiten Richard Williamson als Bischof löste er weltweit einen Sturm der Entrüstung aus. Die Juden sind geschockt, Deutschland ist geschockt, sogar weite Teile der katholischen Welt sind geschockt. Ausgerechnet ein deutscher Papst nimmt einen Leugner der Gaskammern an seine Brust. Und dieser Williamson ist obendrein Vertreter der sektenhaften katholischen Lefebvre-Fraktion, der Pius-Priesterbruderschaft.

Der Antijudaismus in der katholischen Kirche und im Abendland hat tiefe religiöse und politische Wurzeln. Er begann mit der Kreuzigung von Jesus. Ausgerechnet die Juden, das auserwählte Volk Gottes, schlug den Messias ans Kreuz. Und: Die Juden liessen sich nicht zum Christentum – dem angeblich einzig wahren Glauben – bekehren. Ein religiöser Widerspruch, der für Traditionalisten und Fundamentalisten unter den Christen kaum auszuhalten ist. Seit 2000 Jahren warten sie vergeblich darauf, dass die Juden in den Schoss der christlichen Kirche finden und Jesus als Messias anerkennen. Diese Kränkung sitzt im Vatikan tief, zumal sich die Heilsgeschichte laut Bibel erst dann erfüllen kann, wenn sich die Juden bekehren lassen haben.

Die Ausgrenzung der Juden fand auch in weltlichen und politischen Belangen ihre Fortsetzung. Im Mittelalter durften sie in unseren Breitengraden beispielsweise kein Handwerk ausüben – damals der goldene Boden für die bessere Gesellschaft. So waren Juden gezwungen, ihren Lebensunterhalt mit Handel zu verdienen. Als die Handelswege an Bedeutung gewannen, gelangten sie zu Reichtum. Bald lehnten sie Geld gegen Zins aus und gründeten Banken.

Damit zogen sie den Neid auf sich, wurden beargwöhnt und bald als geizig charakterisiert. Für totalitäre und reaktionäre Regimes gaben sie die idealen Sündenböcke ab. Sie wurden immer wieder verfolgt, geächtet und ausgegrenzt. Ein Höhepunkt dieser Hetzkampagne waren die Protokolle der Weisen von Zion. In geheimen Zusammenkünften sollen die einflussreichsten Juden einen Plan entwickelt haben, wie sie heimlich eine Weltregierung bilden und die Weltherrschaft übernehmen könnten. Die Protokolle der geheimen Weltverschwörung der Juden sollen Geheimdienstleuten in die Hände gefallen sein. In Wirklichkeit wurden die Protokolle von Antisemiten zu politischen Propagandazwecken erfunden, wie Gerichte einwandfrei festgestellt haben.

Trotzdem hat sich Hitler auf diese gefälschten Protokolle gestützt, um den Holocaust zu legitimieren. Er begründete den Zweiten Weltkrieg unter anderem damit, er müsse die geheime Weltregierung der Juden zerschlagen und sie ausrotten, um die Welt endlich vom Bösen zu befreien.

Fundamentalistische Christen konnten ihre Ressentiments gegenüber den Juden bis heute nicht überwinden. Der Neid auf das von Gott auserwählte Volk schwingt immer noch nach. Er wird genährt vom Zorn, dass dieses angeblich unbelehrbare Volk Jesus gekreuzigt hat und bis heute noch nicht als den Sohn Gottes und Messias anerkennt.

Es ist deshalb kein Zufall, dass die Gläubigen in den katholischen Kirchen bis in die Neuzeit
in den Gottesdiensten dafür gebetet haben, dass sich die Juden zum Christentum bekehren und Jesus anerkennen mögen.

Dieser politische und rassistische Affront wurde erst durch das 2. Vatikanische Konzil in den 1960-er Jahren beseitigt

Doch der erzkonservative Erzbischof Marcel Lefebvre schluckte den Beschluss nicht, weshalb er sich mit seinen reaktionären Bischöfen und Priestern der Pius-Priesterbruderschaft von der katholischen Kirche trennte.

2007 hat Papst Benedikt, der früher als radikaler Sittenwächter der katholischen Kirche gefürchtet war, die lateinische Messe wieder zugelassen. Hatte er sich am Anfang seines Pontifikates versöhnlich und gemässigt geben, zeigt er nun wieder sein wahres reaktionäres Gesicht. Ausdruck davon ist eben auch die Rehabilitierung der Lefebvre-Bischöfe. Er verbrüdert sich damit mit einem Holocaustleugner und nimmt es in Kauf, dass er die katholische Kirche in eine Krise stürzt. Seine reaktionäre Gesinnung und die Wahrung der Reinheit der katholischen Lehre sind ihm offensichtlich wichtiger als der Friede in seiner Kirche.

Quelle: Hugo Stamm

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