Der Palmölkrieg
By gonorrea.In Kolumbiens Regenwäldern spielt sich eine Tragödie ab. Für den Anbau von Palmölplantagen werden in der Provinz Chocó Zehntausende von Kleinbauern vertrieben und viele massakriert. Christliche Missionare versuchen, die Bedrohten zu schützen, jedoch mit mässigem Erfolg. Unter den Missionaren ist auch der Schweizer Pater Josef Schönenberger. Der Filmemacher Frank Garbely ist mit ihm in den Regenwald gereist und zeigt die Hintergründe dieser Vertreibungstaktik auf.
Pater Josef Schönenberger stammt aus dem Toggenburg. Kolumbien ist längst seine zweite Heimat geworden. 20 Jahre lang war er im Süden des Landes tätig, seit 2006 steht er in der Provinz Chocó im Einsatz. Die meiste Zeit verbringt er im Regenwald. Dort arbeitet er als lebendiges Schutzschild in Dörfern, die von Paramilitärs oder der Guerilla bedroht werden. Das Einzige, was Paramilitärs und Guerillas abschrecken kann, sind neutrale Zeugen und internationale Publizität. Aber dieser Schutz wirkt nicht immer. Beobachter wie Pater Schönenberger leben gefährlich. In den letzten Jahren wurden im Chocó fünf Missionare ermordet.
In dieser Provinz wird der Anbau der Ölpalme besonders radikal und rücksichtslos vorangetrieben. Seit zehn Jahren ist hier ein eigentlicher Plünderungskrieg im Gange. Von der Armee unterstützte Paramilitärs vertreiben gewaltsam die Bevölkerung, ebnen ihre Dörfer ein und eignen sich ihr Land an, das sie an Palmölproduzenten weiterverkaufen. Dabei gehen sie mit unbeschreiblicher Grausamkeit vor: mit Lynchmorden, Massakern, Folter, Entführungen… Und auf den Terror folgen die Bulldozer.
Wo früher Urwald stand, breiten sich heute Ölpalmplantagen aus, die zunehmend von internationalen Unternehmen und Finanzgesellschaften aufgekauft werden. Das Palmöl wird nach Europa und in die USA ausgeführt, dort weiterverarbeitet zu Agrosprit, aber auch zu Produkten der Nahrungsmittelindustrie oder zur Herstellung von Seifen, Kosmetika und Farbstoffen.
Die Provinz Chocó - mit 46′530 Quadratkilomtern etwas grösser als die Schweiz - liegt an der Pazifikküste im Nordwesten Kolumbiens und zählt knapp eine halbe Million Einwohner. 85 Prozent davon sind Schwarze. Der Chocó ist extrem reich an Bodenschätzen und verfügt über eine einmalige Lebensvielfalt: 80 Prozent der Landesfläche sind Regenwald - der zweitgrösste Südamerikas, der punkto Artenvielfalt sogar den des brasilianischen Amazonas übertrifft.
Was sich heute im Chocó abspielt, dürfte sich bereits in absehbarer Zukunft andernorts wiederholen: In der Karibik und im Amazonasgebiet, in Nigeria und Kamerun, in Südostasien. Denn je knapper Erdöl wird, umso mehr und radikaler wird die Produktion von Agroenergie vorangetrieben.
Links
Zahlreiche Nichtregierungsorganisationen setzen sich mit dem Thema auseinander, u.a. ‘Rettet den Regenwald‘ - Der Filmautor Frank Garbely empfiehlt besonders die Webseite der ‘Arbeitsgruppe Schweiz-Kolumbien‘.
Quelle: DOK (Schweizer Fernsehen)





Freitag, Juni 19th 2009 at 17:10
Merci für den Link. Der Film war sehr interessant wie auch tragisch….!