UN fördert Landraub und Vernichtung der Regenwälder
By gonorrea.
Das UN-Klimasekretariat hat beschlossen, dass Soja-, Ölpalm- und andere Plantagen zur Produktion von Agroenergie Emissionsgutschriften erhalten. Die von Europa und den USA geförderte Agroenergie-Industrie kann sich damit über zusätzliche Subventionen in Millionenhöhe freuen. Diese Entscheidung muss zurückgenommen werden.
Nach der Entscheidung des Vorstands des “Mechanismus für umweltverträgliche Entwicklung” (”Clean Development Mechanism – CDM”) des UN-Klimasekretariats (United Nations Framework Convention on Climate Change) können die Betreiber von Soja- und Ölpalm-Plantagen zukünftig Emissionsgutschriften erhalten und im Rahmen des CDM nutzen. Das bedeutet konkret: Kohlekraftwerke in Europa können ihre riesigen CO2-Emissionen durch den Kauf von Gutschriften der Plantagenbetreiber neutralisieren. Dabei belasten die Plantagenbetreiber das Klima und die Umwelt in Brasilien, Indonesien und Thailand kaum weniger als die Umweltsünder in Europa. Sie roden Regenwälder, zerstören einzigartige Ökosysteme und treiben den Klimawandel weiter voran.
Der CDM ist ein im Kyoto-Protokoll vorgesehener Mechanismus, der die Kosten der CO2-Reduktion für die Industrieländer senken soll. In den Entwicklungsländern soll gleichzeitig eine ökologisch nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung durch den Zufluss von Investitionen und Technologie ermöglicht werden. Es lässt sich aber schon jetzt klar belegen, dass der CDM die zerstörerischen Industrien im Süden begünstigt und zu Lasten der Menschen, die dort leben, ihrer Rechte und der Umwelt geht. Zukünftig sollen auch Soja-, Ölpalm- und Jatropha-Plantagen zu den Nutznießern der Regelungen gehören. Die bisherige Erfahrung zeigt, dass die CDM-Kriterien bei weitem nicht ausreichen, um Missbrauch zu verhindern.
Das Klimasekretariat folgt mit seiner Entscheidung eindeutig Wirtschaftsinteressen. Der Agroenergie Konzern “Agrenco” erhält nun eine neue Einnahmequelle für seine Soja-Plantagen in Mato Grosso. Der brasilianische Bundesstaat hat die höchste Rate an Waldzerstörung im Amazonasgebiet. Die Cerrado Savanne und ihre einzigartige Biodiversität wird abgeholzt, um Platz für Soja-Plantagen zu schaffen. Mato Grosso ist auch der Staat mit der höchsten illegalen Landnahme und Entrechtung der indigenen Bevölkerung.
In Thailand profitiert die staatlich geförderte Palmöl-Industrie von der Entscheidung des Klimasekretariats. Dort soll die Fläche von 400.000 Hektar (2006) auf 1,6 Millionen Hektar im Jahr 2029 ausgeweitet werden. Und das obwohl die klimatischen Bedingungen für Ölpalmen in Thailand gar nicht günstig sind. Unmengen von Süßwasser muss aufgewendet werden, um ausreichende Ernten zu erzielen. Lokale Organisationen gehen davon aus, dass Thailand bald schon nicht mehr ausreichend Lebensmittel produzieren kann.
Die relevanten Dokumente (nur auf Englisch) des UN-Klimasekretariats finden Sie auf der folgenden Webseite ganz unten unter Punkt ACM0017:
Approved Baseline and Monitoring Methodologies.
Es handelt sich insbesondere um die Dokumente Tool for the identification of degraded or degrading lands for consideration in implementing CDM A/R project activities (364 KB)
und
Production of biodiesel for use as fuel —- Version 1 (568 KB)
Protestaktion
Regenwald.org hat dagegen eine Protestaktion gestartet. Der Vorstand des UN-Klimasekretariats soll diese Entscheidung zurückziehen. Ihre Protestmail geht direkt an das Sekretariat des Vorstandes. Eine Kopie aller Unterschriften wird an jedes Vorstandsmitglied gesendet. (Eine deutsche Übersetzung liegt leider noch nicht vor)




